Nokia 3310: Ein Tastenhandy im Jahr 2018

Tastenhandys? Ja, die gibts noch. Im Fall des Nokia 3310 müsste man aber eher sagen, wieder. Die ursprüngliche Variante des Nokia 3310 war damals, im Jahr 2000, ein recht beliebtes Teil. In meinem Bekanntenkreis hatten das einige, aber ich bin nie so richtig damit warm geworden. Zu knubbelig, zu weibisch. Ich mochte den Vorgänger, Nokia 3210 viel lieber, oder das 6310. Seit letztem Jahr gibt es eine Neuauflage des Klassikers, das Nokia 3310 (2017).

Nokia 3310

Nokia 3310

Ein Diensthandy für niedrige Ansprüche

Und wie kommt es, dass ich nun darüber schreibe? Nun, ich hab ja im Reallife auch einen echten Job, für den ich nicht selten auch unterwegs bin. Da ist ein Handy unabdingbar, um mit Kunden und Kollegen im Kontakt zu bleiben. Privat nutze ich ein iPhone, das gibt mir alles, was ich brauche – Emails, Internet, WhatsApp und gelegentlich mal anrufen. Aber dienstlich will ich einfach nur telefonieren. Oft und lange. Da scheint ein Smartphone nahezu ungeeignet, müssen die meisten doch spätestens am Abend wieder an die Steckdose. Mein iPhone auch, aber jeden Abend zwei Handys laden ist mir zu nervig. Groß sind sie noch dazu, sodass sie nicht unauffällig in die Hosentasche passen.

Emails? Lese ich an meinem Notebook oder ich schalte meinen Dienst-Account am iPhone ein. Wenn ich fertig bin, mach ich den auch wieder aus. Irgendwann brauch man abends auch mal seine Ruhe – daher auch dienstlich und privat getrennt.

Was den Anspruch an mein Diensthandy angeht, bin ich also bescheiden – klein soll es sein und eine lange Akkulaufzeit besitzen. Mehr nicht. Die vergangen 7,5 Jahre hatte ich ein Nokia 7230. Kein tolles Teil, aber vollkommen ok. Doch leider gibt es so langsam den Geist auf, also musste ein Ersatz her.

Nokia 3310: Im Prinzip OK, aber ernüchternd

Was liegt da näher, als die Neuauflage des Klassikers, das Nokia 3310 (2017)? Also bestellt und ausprobiert. Der erste Eindruck war garnicht so schlecht. Größe ok, Tasten drücken sich gut, das Display zeigt das Menü in strahlenden Farben. Der Anschluss zum Laden ist immer noch der selbe wie damals. Eigentlich super, da sich in den vergangenen Jahren an bei mir strategisch wichtigen Punkten Ladekabel angesammelt haben. Aber die Ernüchterung kam schnell. Das Nokia 3310 ist nämlich garnicht von Nokia, sondern von HMD Global. Das ist natürlich nicht per se etwas schlechtes. Immerhin haben sie sich viel Mühe gegeben, das Menü und die Einstellungen genau so abzubilden, wie beim Original (mit der Ausnahme, dass der Zeitfresser „Snake“ in der neuen Version „Schlange“ heißt). Allerdings hat man vergessen (oder durfte nicht?), das Gerät kompatibel zur Nokia Suite (früher OVI Suite) zu machen. Ein von mir viel genutztes Feature fiel also schonmal weg – das synchronisieren der Kontakte mit Outlook. Mit dem alten Nokia 7230 funktionierte das bis zuletzt ganz wunderbar.

Wie bekommt man die Kontakte aufs Handy?

Also versuchte ich einen anderen Weg. Kontakte per VCF-Datei aus Outlook rausholen und per Bluetooth vom Notebook aufs Telefon schieben. Klingt eigentlich simpel, wird aber mit zunehmender Anzahl an Kontakten schwierig. Schwierig deswegen, weil die Kontakte als einzelne Dateien auf dem Telefon landen, einzeln importiert und anschließend einzeln gelöscht werden müssen. Das beutet also über das Menü zu den Dateien hangeln. Dort Kontaktdatei auswählen, Menü öffnen, Pfeil nach unten, OK, Menü öffnen, 4x Pfeil nach unten, OK, nochmal bestätigen. Das ganze ca. 300 mal. Da hatte ich keine Lust zu und wollte mal etwas danach googeln, vielleicht gibt es ja einen einfacheren Weg. Wenn ich jedes mal dieses Prozedere über mich ergehen lassen muss, oder Änderungen per Hand „synchronisieren“ soll, na dann gute Nacht…

Freisprechen ist auch Mist

Ich bin dann erstmal ins Auto und hab das Telefon dort an die Freisprecheinrichtung angelernt. Wieder eine Enttäuschung. Freisprechen selbst geht. Die Sprachqualität war vollkommen ok, wie man es eben so im Auto bei 120 Sachen erwartet. Nummern über das Autoradio eintippen und wählen funktioniert auch. Aber es werden keine Kontakte und Anruflisten geladen. Es funktioniert wirklich nur reines Freisprechen – irgendwie suboptimal. Noch ein paar mal probiert und googelt – keine Lösung gefunden. Das war’s dann. Darauf hab ich keinen Bock. Es gibt genug komplizierte Dinge im Job und im Jahr 2018 muss so etwas einfach auf Anhieb funktionieren. Also das Teil eingepackt und zurück gegeben. Irgendwie schade. Meine Ansprüche sind wohl doch nicht so niedrig, wie ich dachte.

Und jetzt?

Jetzt hab ich mir ein Sony Ericsson W995 besorgt. Das gibts bei Ebay Kleinanzeigen schon für schlappe 25€. Sieht etwas kantiger aus, Kontakte synchronisieren und Freisprecheinrichtung funktionieren einwandfrei. Und dass es wie das Nokia 7230 ein Schiebehandy ist, finde ich auch super.

Sony Ericsson W995

Sony Ericsson W995

Sebastian

Sebastian

...ist staatlich geprüfter Techniker für Elektrotechnik, Schwerpunkt Prozessautomatisierung und Energietechnik. Die Themen Automatisierung und Programmierung haben es ihm besonders angetan.
Außerdem ist er für jede technische Spielerei zu haben 😉
Sebastian

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